Gedanken für meine Prinzessin
Taufe 04.12.2005
Taufsprüche
Freundschaften
Schutzengel
Nachdenkliches
Wir in Gottes Hand.
Kinder werden nicht gefragt
Wie gut, dass es Oma und Opa gibt!
Wir bauen eine Brücke
10 Gebote
Glaube, noch Zeitgemäß?
Erläuterung zum Gebot 4
Familienkonflikt
Enkel - Großmutter
Mit Kleinkindern philosophieren
Wie können Eltern die Konzentrationsfähigkeit ihre
Wie können Eltern ihren Kindern beim Spracherwerb
Sprache lernen
Erzählen, vorlesen, selber lesen
Bewegung macht Kinder klug
Kinder brauchen Kinder
Soziale Kontakte zwischen Kleinkinder
Was Kinder über Streit und Konfliktlösungen denken
Nur ein Kinderspiel? - oder: Wie Spielen bildet
Vertrautheit fördert und erleichtert den sozialen
Kleinkindforschung und Kleinkindbetreuung
Kreativität der Kinder
Selbstbewusstsein der Kinder stärken
Nachdenkliches
Das Jahr 2006
Kindergedichte
Kindergedichte
Tagebuch eines Kleinkinds 1
Tagebuch eines Kleinkinds 2
Sinnsprüche für Kinder
Halloween
Kindermärchen in Kindergarten und Hort
Abends ein altes Märchen vorlesen - warum nicht:
Martinslieder
Bommel Brummbär und sein Freund Ferdy
Die Fieberelfen
Unser Schnuffi
Frosch Frederiks Geburtstag!
Kinderfragen

Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf daß du lange lebest im Lande, das dir der Herr, dein Gott gibt.








WESEN UND AUFGABE DER FAMILIE

Das Wesen der Familie besteht in der Gemeinschaft von Mann, Frau und Kindern. Zur Gemeinschaft der Familie gehören nicht selten auch die Großeltern, Verwandte und Hausgenossen. Die Familie ist auch die Stätte, an der neue Menschen ins Leben treten. Die Familie hat die Aufgabe, die jungen Menschen zu erziehen und auf das Leben vorzubereiten. Die Familie ist aber auch die Zelle der Gesellschaft und muss den jungen Menschen jene Haltungen vermitteln, die als Mitglieder der Gesellschaft brauchen. Die Familie ist schließlich auch die Zelle der Kirche und bildet als "Hauskirche" die Kirche im kleinen.

DIE GEMEINSCHAFT

Die Familie ist zunächst eine Gemeinschaft von Vater, Mutter und Kindern. Es ist nun aber keineswegs selbstverständlich, dass die verschiedenen Familien-Mitglieder auch schon eine Gemeinschaft bilden. Zur Bildung einer echten Familien-Gemeinschaft bedarf es einer außergewöhnlichen Liebe und Kraft. Eine solche Gemeinschaft verlangt eine ständige Anstrengung und Bekehrung jedes einzelnen. Sie ist eine echte Herausforderung für alle Familien-Mitglieder und lässt sich nur durch den guten Willen aller Beteiligten verwirklichen.

Die persönliche Begegnung

Die Bildung einer echten Hausgemeinschaft setzt vor allem eine regelmäßige persönliche Begegnung der Familienmitglieder voraus. Bei den meisten Familien besteht nur am Abend oder am Wochenende die Möglichkeit zu längeren Zusammenkünften. Aber auch dann muss sich jeder bewusst für die Familie Zeit nehmen! Da wird der Fernseher abgeschaltet und die Zeitung beiseite gelegt; da wird bewusst auf Gasthaus und Fitness-Center verzichtet; es gibt auch keine Computer-Spiele und keine Lektüre von Krimis und Romanen. Die Familie setzt sich nach dem Abendessen gemütlich zusammen. Es kommt zu gemeinsamen Gesprächen, bei denen jeder von seinen Erlebnissen sowie von seinen Freuden und Sorgen berichtet Es werden gemeinsame Spiele veranstaltet, die dem Alter der Kinder entsprechen. In manchen Familien wird auch gemeinsam musiziert, gezeichnet und gebastelt. Es werden Pläne geschmiedet, man redet über einen Ausflug und über den Urlaub. Spannend wird es auch, wenn über die Fußballmeisterschaft und über ein Tennismatch diskutiert wird. Bei den Familien-Gesprächen geht es aber auch um die Umstellung der Küchenmöbel und des Kinderzimmers, um die Reparatur des Autos und der Waschmaschine. Natürlich wird auch über die "dumme Schule", die "blöden Hausaufgaben" und die "verrückten Schularbeiten" geredet. Manchmal muss auch über die Finanzen gesprochen werden, weil die vielen unvorhergesehenen Extras ein familiäres "Sparpaket" erforderlich machen... In einer normalen Familie gibt es eigentlich immer Themen, über die man gemeinsam reden kann und reden muss. Freilich gibt es auch Familien, die aus lauter "stummen Fischen" bestehen: Keiner macht den Mund auf, jeder brütet vor sich hin, alles ist fad und öde, man findet einander langweilig oder geht sich auf die Nerven. Aber wenn in einer solchen "Stockfisch"-Familie jemand die Themen anspricht, die die einzelnen Familienmitglieder interessieren, dann kommt plötzlich Leben in die Bude! Der Vater interessiert sich für "Bayern München" und Schifahren, die Mutter für biologisches Gemüse und Aerobic, der Sohn für Michael Schumacher und Mopeds, die Tochter für Steffi Graf und Michael Jackson, das Nesthäkchen für Leonardo di Caprio, die "Backstreet-Boys" und die "Spice Girls". Wenn diese Themen angetippt werden, dann beginnen die "stummen Fische" plötzlich zu reden und sind oft gar nicht mehr zu stoppen. Und wenn erst einmal das Eis gebrochen ist, dann kann man auch über andere Themen weiterreden. Und über die diversen Themen kommt man schließlich zum Eigentlichen: nämlich zu den einzelnen Personen der Familie! Durch die verschiedenen Gespräche und Erzählungen erfahren alle in der Familie, wie es den anderen Familien-Mitgliedern geht. Sie wissen dann um die Freuden und Sorgen und um die Hoffnungen und Ängste der anderen. Auf diese Weise kommen die einzelnen Familien-Mitglieder einander näher und leben nicht aneinander vorbei. Sie nehmen Anteil am Leben der anderen, sie freuen sich mit und helfen sich gegenseitig. Sie erleben die anderen als Personen und bilden mit ihnen eine Gemeinschaft von Personen. - Viele Familien haben deshalb eine ganz bestimmte Zeit für ihr Familien-Treffen reserviert. Gewöhnlich setzen sie sich einmal in der Woche zusammen. Alle freuen sich auf dieses gemeinsame Beisammensein!

Das gemeinsame Feiern

Für die Gemeinschaft der Familie ist auch das Feiern von großer Bedeutung. In jeder Familie gibt es immer wieder Anlässe zum Feiern: "Namenstage, Geburtstage, den Hochzeitstag, Weihnachten, Advent, das gute Schulzeugnis, den Sonntag..." (Herbert Madinger) Die gemeinsamen Feiern sind zunächst eine Herausforderung für die ganze Familie: Sie mobilisieren die verschiedenen Begabungen und Kräfte in der Familie, die aufeinander abgestimmt werden müssen. Bei der Vorbereitung eines Festes geht es um die Auswahl der Geschenke, um schmackhafte Kochrezepte, um ein paar geeignete Spiele, eine passende Musik, ein prächtiges Plakat, vielleicht sogar um ein paar Verse oder eine kurze Ansprache. In einer christlichen Familie wird auch das geistliche Programm nicht fehlen: ein kurzes Gebet, ein besonderer Dank an Gott, ein religiöses Lied. Weiters gilt es, liebe Freunde einzuladen, ein paar Blumen zu besorgen, die Fotokamera und den Videoapparat parat zu halten und die Kleider herzurichten... Alle müssen mithelfen, jeder muss seine besonderen Begabungen in den Dienst der Familie stellen. Nach den gemeinsamen Vorbereitungen kann dann das Fest in aller Fröhlichkeit und Besinnlichkeit gefeiert werden. Beim gemeinsamen Essen und Trinken, beim gemeinsamen Spielen und Lachen kommen sich alle Familienmitglieder näher. Die ernsten und heiteren Worte, die Klänge der Musik, die Gespräche mit Verwandten und Freunden - das alles stärkt das Familien- und Gemeinschaftsbewusstsein. Nach dem Fest sollten dann auch alle fest zusammen helfen, um alles wieder aufzuräumen. Auch das gemeinsame Tellerwaschen und Ordnung machen stärkt das Gemeinschaftsbewusstsein.

Die gegenseitige Dienstbereitschaft

Neben diesen festlichen Höhepunkten sind es aber vor allem die vielen großen und kleinen Dienste füreinander, die zur Vertiefung des Familienbewusstseins führen. Die Besorgung des Haushalts, die mühevolle Arbeit zur Erhaltung der Familie, die Erziehung der Kinder, die Betreuung der kleineren Geschwister, die Pflege der Alten und Kranken usw. sind auf die Dauer nur möglich, wenn jedes Familienmitglied in Liebe an seine Angehörigen denkt. Diese Dienstbereitschaft zeigt sich meistens in kleinen alltäglichen Dingen: Der Vater hat bei der Jacke einen Knopf verloren und bittet die Mutter um das Annähen eines neuen Knopfes. Die Mutter ist mit dem Saubermachen überfordert und ersucht den Vater, dass er mit dem Staubsauger einspringt. Die Tochter liegt mit Fieber im Bett und braucht eine Tablette, der Sohn hat sich beim Fahren mit dem Mountainbike geschrammt und benötigt ein Pflaster. Das Nesthäkchen kommt mit der Mathematikaufgabe nicht zurecht und braucht Hilfe. Der Opa hat kalte Füße und bedarf einer Wärmflasche; die Oma kann nicht mehr die schwere Schachtel aufheben und braucht jemand, der ihr hilft. Nach dem Großeinkauf im Supermarkt müssen alle die Waren in den Keller tragen; nach der Überschwemmung im Badezimmer muss die ganze Familie beim Aufputzen mithelfen. Diese gegenseitigen Hilfe und Dienstbereitschaft wirkt sich sehr positiv auf die Gemeinschaft aus und festigt das Zusammengehörigkeitsgefühl der Familie.

Die Bereitschaft zur Versöhnung

Die Gemeinschaft in der Familie verlangt aber auch die ständige Überwindung alles Trennenden. In jeder Familie kommt es immer wieder zu Vorfällen, die die Gemeinschaft in Frage stellen: Der eine geht nur seinen eigenen Interessen nach und kümmert sich nicht um die Familie, der andere ist bequem und lässt sich von den anderen bedienen, der dritte ist eifersüchtig und möchte ständig im Mittelpunkt stehen. Oft kommt es auch zu Vorurteilen und Missverständnissen, gelegentlich rutscht uns ein bissiger Kommentar oder ein böses Wort aus dem Mund! Nicht selten sind es auch die verschiedenen Schwächen der anderen, die uns auf die Nerven gehen: Die ständige Unpünktlichkeit des Mannes, die ewigen Telefonate der Frau, die hoffnungslose Schlampigkeit des Sohnes, die coole Kratzbürstigkeit der Tochter... Alle diese Faktoren führen früher oder später zu Konflikten in der Familie! Dann herrscht natürlich dicke Luft und jeder zieht sich in seinen Schmollwinkel zurück. Aber nach einiger Zeit wird uns doch bewusst, dass wir zusammengehören und uns eigentlich gern mögen. Wir gehen auf den anderen zu und bitten ihn um Entschuldigung. In der Familie müssen wir immer wieder den ersten Schritt tun und dem anderen signalisieren, dass wir zur Versöhnung bereit sind. Wir müssen uns aber auch immer wieder fragen, wo wir für die anderen ein Anlass zum Konflikt sind. Und in der Folge müssen wir uns um mehr Altruismus und Hilfsbereitschaft und um mehr Selbstbeherrschung und Geduld bemühen. Wir müssen aber auch alles daran setzen, unsere Schwächen und Untugenden zu überwinden. Auf diese Weise ist also auch die Bereitschaft zur Versöhnung und zur eigenen Umkehr eine ganz wesentliche Voraussetzung für die Gemeinschaft der Familie.

Der Geist der Liebe

Das tiefste Fundament der Gemeinschaft ist aber der Geist der Liebe, der von Gott kommt. Alle Mitglieder der Hausgemeinschaft müssen sich bemühen, einander so zu lieben, wie Christus selbst die Menschen geliebt hat. Das ist dann freilich nicht jene menschliche Liebe, die oft so schnell am Ende ist. Diese Liebe bemüht sich, die menschliche Begrenztheit zu überwinden, und orientiert sich an der unendlichen Liebe Gottes. Der hl. Paulus beschreibt diese Liebe mit einmaligen Worten: "Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig, die Liebe ist nicht eifersüchtig. Sie prahlt nicht, überhebt sich nicht, sie handelt nicht unschicklich, sucht nicht das Ihre, kennt keine Erbitterung, trägt das Böse nicht nach. Am Unrecht hat sie kein Gefallen, mit der Wahrheit freut sie sich. Alles erträgt sie, alles glaubt sie, alles hofft sie, alles duldet sie. Die Liebe hört niemals auf." (Paulus, 1 Kor 13,4-8) Eine solche Liebe schützt die Familie vor allen Gefahren der Uneinigkeit: Statt Egoismus herrscht dann Altruismus, statt Individualismus Gemeinschaft, statt Streit und Zank herrschen Friede und Eintracht. Die christliche Liebe verliert auch nach Enttäuschungen nie das Vertrauen in den anderen und gibt nie die Hoffnung auf, dass der andere sich bessert. Sie ist auch bereit, manche Schwächen des anderen zu ertragen, um ihm eine Chance zu geben.





DIE SCHULE FÜR DAS LEBEN

Die zweite Aufgabe der Familie besteht in ihrem Dienst am Leben. Die Eheleute haben die Pflicht, in großherziger Weise neuen Menschen das Leben zu schenken. Sie müssen dafür sorgen, dass die nötigen materiellen, sozialen und gesundheitlichen Voraussetzungen für die neuen Erdenbürger gegeben sind. Sie haben aber vor allem die Aufgabe, für die menschliche, kulturelle, soziale und religiöse Entfaltung ihrer Söhne und Töchter Sorge zu tragen.
Wir wollen uns nun fragen, welche Schwerpunkte und Grundsätze eine christliche Erziehung aufweisen muss, damit sie dem jungen Menschen helfen kann, das Leben richtig zu gestalten und zu meistern.

Das Beispiel der Eltern

Die christliche Erziehung beginnt mit dem christlichen Beispiel der Eltern. Das Vorbild der Eltern ist die unmittelbarste und überzeugendste Art, den Kindern eine christliche Lebens-Einstellung zu vermitteln. Diese gelebte "Botschaft" prägt das Kleinkind schon lange, bevor es den Gebrauch der Vernunft erlangt: Das Beispiel der Eltern ist in diesem Alter die unbewusste Orientierung, ja das unbewusste Ideal des Kindes. Aber auch in späteren Jahren ist das Beispiel der Eltern entscheidend. Die junge Generation muss erleben, dass sich die christlichen Haltungen bei der älteren Generation bewähren: Sie müssen erfahren, dass Liebe, Treue, Wahrhaftigkeit, Gerechtigkeit, Vergebung usw. die tragenden Säulen eines harmonischen Zusammenlebens sind. Das glückliche und gelungene Leben der Eltern ist der beste Beweis für die Gültigkeit ihrer christlichen Grundsätze.

Liebe und Geborgenheit

Die christliche Erziehung baut weiters auf Liebe und Geborgenheit auf. Das Kind kann nur dann in seelischer Gesundheit heranwachsen, wenn es sich angenommen und geliebt weiß. Dabei kommt vor allem "der frühkindlichen Mutter-Kind-Beziehung schicksalhafte Bedeutung" (K. Hörmann) zu. Aber auch das größere Kind gedeiht nur "im Schoß warmer mütterlicher und väterlicher Güte" (H. Madinger). Nur im warmen Nest der Familie lernt das Kind "das Urvertrauen, Vertrauen auf Autorität, Vertrauen in den Sinn des Lebens, Vertrauen in die Gemeinschaft und Fähigkeit zur Liebe." (H. Madinger) Jede Erziehung braucht daher ein ganz persönliches Vertrauens-Verhältnis zwischen Eltern und Kindern. Ein solches Verhältnis kann aber nur zustande kommen, wenn die Eltern ganz persönlich und Tag für Tag am Leben ihrer Kinder teilnehmen. Nur wenn sie wissen und fühlen, wie es ihren Kindern geht, können sie ihnen beistehen und sie erziehen. Nur wenn die Jugendlichen spüren, dass man für sie Zeit und Verständnis hat, werden sie den Eltern ihre Freuden und Nöte mitteilen. Dann werden sie von ihnen auch einmal ein "Nein!" akzeptieren: Sie wissen, dass die Eltern in jedem Fall nur ihr Bestes wollen. Auf diese Weise ist also die Liebe der Eltern die Grundvoraussetzung für das gute Verhältnis zu ihren Kindern. Sie ist aber auch die Grundvoraussetzung für die Kinder, dass sie zum Leben und seinen Spielregeln ein frohes "Ja" sagen können.

Die Herzensbildung

Ein zentrales Anliegen der christlichen Erziehung ist auch die Herzensbildung, deren Ziel der liebende Mensch ist. Dazu bedarf es allerdings großer und langwieriger Anstrengungen. Der junge Mensch muss nämlich erst lernen, was es heißt, zu lieben. Seine Liebe muss erst langsam wachsen. Wirkliche Liebe bedeutet, auf den Mitmenschen einzugehen und ihm zur Verfügung zu stehen. Wahre Liebe heißt, den anderen in seinem Wesen anzuerkennen und ihn zu fördern. Echte Liebe zeigt sich auch darin, die Sorgen des Nächsten wahrzunehmen und ihm zu helfen, seine Lasten zu tragen. Liebe erfordert auch Taktgefühl und feinen Anstand; sie weiß die richtigen Worte zu wählen und kann auch schweigen. Liebe zeichnet sich aus durch besondere Rücksicht und Geduld; sie fühlt sich zu Anerkennung und Dankbarkeit verpflichtet. Liebe äußert sich im Einsatz für die Armen und Alten, für die Behinderten und Betrübten. Liebe, das ist rastloser Dienst an allen Menschen, die uns begegnen. Wir können uns leicht vorstellen, wie weit für einen jungen Menschen der Weg bis zum wahrhaft liebenden Menschen ist. Wie viel Egoismus, Gemeinheit und Gleichgültigkeit müssen erst überwunden werden! Wie viel Gewalt, Brutalität und Grobheit müssen erst gebändigt sein! Überall gibt es Kanten und Ecken. Überall muss man hobeln und feilen. Auf diese Weise ist die Herzensbildung der jungen Leute eine jahrelange erzieherische Schwerarbeit!

Der selbständige Mensch

Das Ziel jeder Erziehung ist schließlich der selbständige Mensch. Der junge Mensch soll lernen, auf eigenen Beinen zu stehen und das Leben in Freiheit und Verantwortung zu meistern. Daher ist die Erziehung der Eltern "eine abnehmende Größe, die das Kind in einen immer größer werdenden Raum der Freiheit und Eigenverantwortung entlässt, den es seiner Entwicklung gemäß zu bewältigen vermag, und wo es in Erfolg und Versagen Erfahrungen sammeln kann. Dazu gehören von Seiten der Eltern Mut zu einem wohlüberlegten Risiko. Das Ziel der Erziehung ist ja der selbständige Mensch, der fähig ist, in eigener Verantwortung aus einem wohl gebildeten Gewissen heraus das Gute zu erkennen und zu tun."

Die Rettung der Person

Die Familie trägt entscheidend dazu bei, dass in unserer Gesellschaft der Mensch als Person erhalten bleibt. Die gewaltige Maschinerie der modernen Technik und Verwaltung hätte uns schon längst in mechanische Teilchen und verwaltete Nummern verwandelt, wenn uns nicht die persönliche Liebe unseres Ehegatten und unserer Angehörigen davor bewahrt hätte. Der Programmierer vor dem Computer, der Arbeiter am Fließband, die Näherin in der Fabrik, der Beamte am Bankschalter, die Kassierin im Supermarkt würden durch ihre Arbeit selbst zu Computern und Automaten. Der Tankwart auf der Autobahnraststätte, der Pizzaiolo in der Pizzeria, der Kumpel im Bergwerk, der Straßenarbeiter mit dem Presslufthammer, der Lenker des Lastwagens würden durch ihre Tätigkeit zu unpersönlichen Maschinen. Für diese Arbeiter und Arbeiterinnen ist die Familie oft die einzige Stätte, an der sie wieder zu Menschen werden. Durch die persönliche Beziehung im Familienkreis wird der entfremdete Mensch wieder eine Person. In der Familie zählt nicht die Leistung und das Tempo, sondern das Menschsein. Da ist der Einzelne nicht mehr das kleine Rädchen des großen Betriebs, sondern eine Person mit menschlicher Würde. Durch die Ehe und Familie wird "die Entartung der Gesellschaft zum geistlosen Kollektiv" (Bernhard Häring) verhindert. Durch die Ehe und Familie kommt es zu einer ständigen "Entmassung"der Gesellschaft und zur Rettung der Person.

Die Erneuerung der Herzen

Die Liebe in der Familie gibt uns die Kraft, auch im öffentlichen Leben Menschen mit Herz und Gefühl zu sein. Der harte Lebenskampf, die erbarmungslose Konkurrenz, die gnadenlose Hetze, der ständige Stress würden alle zarteren Regungen unseres Herzens abwürgen, wenn uns nicht die Familie immer wieder zur Liebe zurückrufen würde. Ohne diese Liebe der Familie wäre unser Inneres schon längst hoffnungslos verhärtet und versteinert. Die Liebe zu unseren Angehörigen lehrt uns, die Menschen mit herz-lichen Augen zu sehen. In der Familie sehen wir, dass der andere verstimmt oder niedergedrückt ist. Wir hören ihm zu, wenn er uns sein Leid klagt. Wir bringen ihm eine Tablette, wenn er Kopfweh hat... Diese Übung in der Familie wirkt sich auch im öffentlichen Leben aus: Wir stützen eine alte Frau und begleiten einen Blinden über die Straße, wir haben mehr Geduld im Verkehr und zeigen Verständnis für die gehetzte Verkäuferin. Wir trösten eine Mitarbeiterin im Büro und entschuldigen uns, wenn wir einem Passanten in der Straßenbahn auf die Hühneraugen treten. Die Familie erhält unser Herz jung und läßt uns die anderen als Menschen behandeln.

Die Vermittlung der Moral

Die Familie ist auch die sittliche Schule der Gesellschaft. Sie vermittelt den Menschen die moralischen Grundsätze und Werte, die dann auch die Moral der Gesellschaft bestimmen. Angesichts des riesigen moralischen Verfalls unserer Gesellschaft kommt heute der Familie eine enorme Aufgabe zu: Im Schoß der Familie muss es zur Wiederentdeckung der tragenden Grundsätze und Werte kommen, die zur moralischen Erneuerung der Gesellschaft unbedingt erforderlich sind. Zu diesen Grundsätzen und Werten gehören die Achtung vor dem Leben, die Wertschätzung der Ehe, die Ehrlichkeit bei der Arbeit, die Schonung des gemeinsamen Eigentums. Dazu gehören weiters die Verteidigung der Wahrheit und der Freiheit sowie die Integrität der Kultur.
Alle diese moralischen Werte können heute fast nur mehr von der Familie vermittelt werden. Die Familie ist heute fast das einzige Gegengewicht gegen den Zeitgeist und die öffentliche Meinung, die alle diese Werte radikal in Frage stellen. Nur durch die eindeutige moralische Haltung von vielen christlichen Familien haben wir heute im Kampf gegen die Abtreibung und Euthanasie, die Scheidung und Wiederverheiratung, die Korruption in der Wirtschaft, die Ausnützung der sozialen Einrichtungen, die Manipulation der Medien und die Verseuchung der Kultur eine Chance. Die Familien müssen heute den jungen Leuten ein so klares christliches Werte-Bewusstsein mitgeben, dass sie auch der perversen Unmoral unserer Zeit widerstehen können.

Die Grundlegung der Kultur

Die Familie ist auch die Keimzelle der Kultur unserer Gesellschaft. In der Familie werden jene Lebensformen gepflegt, die dann weitgehend auch die gesellschaftlichen Lebensformen bestimmen. So werden Ess- und Trinkkultur, Kleidungs- und Wohnkultur, aber auch Sprach- und Geisteskultur einer Gesellschaft zunächst im Bereich der Familie gepflegt und vermittelt. Auch die meisten gesellschaftlichen Umgangsformen wie Benehmen, Anstand und Höflichkeit werden in der Familie beigebracht. In der Familie werden auch viele kulturelle Interessen gepflegt: Da wird musiziert und gespielt, gezeichnet und gemalt, gelesen und geschrieben, gehandarbeitet und gebastelt, erklärt und diskutiert... Die Familien-Kultur ist der Nährboden der Gesellschafts-Kultur.
Wir erleben heute immer wieder, dass die öffentliche Kultur ohne die Kultur in der Familie kaum etwas erreicht. Ohne Familien-Kultur bleibt jedes kulturelle Bemühen von Seiten der Schule und der Vereine meistens nur sehr oberflächlich. Der Mensch hat dann wohl einen Anstrich von Kultur, Bildung und Benehmen, aber seine tieferen Schichten sind davon kaum berührt. Er isst dann die feinsten Speisen, hat aber keine Tischmanieren. Er kleidet sich nach der neuesten Mode, bewegt sich aber wie ein Trampeltier. Er besucht das Theater, spricht aber ein vulgäres Tiefdeutsch. Er wohnt in einem Haus mit Stilmöbeln, hat aber überall eine chaotische Unordnung. Er besitzt die "Gesammelten Werke" der Weltliteratur, nimmt aber nie ein Buch zur Hand. Er ist Direktor und Hofrat, hat aber keine Umgangsformen. Er verfügt über ein großes Wissen, hat aber keine Herzensbildung... Ohne eine entsprechende Grundlegung der Kultur in der Familie ist es kaum möglich, die Kultur in der Gesellschaft zu heben. Ohne eine Erneuerung der Kultur in der Familie riskieren wir, in die Barbarei zurückzufallen.

Die Heilung des Menschen

In der Familie kommt es auch zur Heilung des Menschen. Die Familie gleicht oft einem großen Spital, in dem die seelischen Krankheiten der Gesellschaft kuriert werden. Die moderne Gesellschaft fügt dem einzelnen ständig innere Verwundungen zu. Schauen wir uns dazu eine ganz normale Familie an: Der Mann arbeitet schon seit siebzehn Jahren im Büro bei den E-Werken, und doch hat man einen viel jüngeren Kollegen zum Abteilungsleiter ernannt. Die Frau hat das Bügeleisen in Reparatur gegeben, und nun ärgert sie sich, weil der Elektriker so viel für die Reparatur verlangt hat. Der Sohn Martin kommt frustriert nach Hause, weil ihn der Lehrer vor der ganzen Klasse einen "Obertrottel" geheißen hat. Die kleine Agnes klagt weinend, dass ihr im Kindergarten von der Annemarie das Jausebrot mit der guten Salami weggenommen wurde... So ähnlich ergeht es auch uns. Jeder von uns wird in der Gesellschaft gekränkt und verwundet. Für uns alle ist dann die Familie oft die einzige Rettung. Unsere Angehörigen hören uns an und versuchen dann mit vereinten Kräften, unser angeschlagenes Gleichgewicht wiederherzustellen. So geschieht es auch in der ganz normalen Familie von oben: Die Frau versucht die Lebensgeister ihres Mannes wieder in Schwung zu bringen und kocht ihm ein gutes Schnitzel. Der Mann zieht ein verstecktes Kuvert aus der Schublade, um die gesalzene Rechnung zu bezahlen. Die Mutter tröstet ihren Martin und geht am nächsten Tag in die Schule, um mit dem Lehrer zu reden. Der Vater ruft die Kindergartentante an und bittet sie, in Zukunft mehr auf die Jausenbrote mit Salami zu achten... So wird jeder aufgerichtet und gestärkt. Die Seele wird verbunden und das Herz verpflastert. Bald ist jeder wieder seelisch gesund und kann erneut in die Gesellschaft entlassen werden. Durch die Familie bleibt die ganze Gesellschaft gesund.

Die staatsbürgerliche Erziehung

Die Familie vermittelt den jungen Menschen auch die staatsbürgerlichen Grundhaltungen. Es ist eine altbekannte Tatsache, dass die Familie ist der Staat im kleinen ist. In einer intakten Familie begreift der junge Mensch auf ganz natürliche Weise, dass es in einer Gemeinschaft bestimmte Spielregeln geben muss. In der Familie erfährt der heranwachsende Mensch die Bedeutung der Ordnung und Autorität, des Gemeinwohls und der Solidarität, der Moral und der Normen, der Achtung und der Toleranz. Auf diese Weise begreift er auch die Notwendigkeit der staatlichen Ordnung, der nationalen Solidarität, der öffentlichen Moral und der politischen Toleranz. In der Familie lernt der junge Mensch, dass jeder seinen Beitrag für das Allgemeinwohl leisten muss, und wird dann später auch seinen Beitrag für das staatliche Allgemeinwohl leisten. Im Kreis der Familie begreift er, dass er sich mit den diversen Angelegenheiten der Gemeinschaft auseinandersetzen muss. Er wird sich dann später auch mit der politischen Entwicklung in seinem Land auseinandersetzen: Er wird sich fragen, ob die Entscheidungen der Politiker richtig oder falsch sind, und ob ihre Programme zielführend sind oder nicht. Ein solcher Bürger fühlt sich persönlich für den Staat verantwortlich.
Ganz anders ist die staatsbürgerliche Einstellung eines Menschen, der in seiner Familie diese Grundhaltungen nicht mitkriegt. Für diesen Menschen gelten keine Gesetze und keine Ordnung. Für ihn gibt es auch keine Autorität und keine Verpflichtung. Er hat keinen Sinn für das Allgemeinwohl und drückt sich vor jeder Verantwortung. Er sieht im Staat nur ein Sozialleistungsunternehmen, das es auszunützen gilt. Er kennt auch keine Achtung und Toleranz gegenüber den Vertretern anderer Ideologien und Parteien. Auf diese Weise zeigt sich, dass die Familie in entscheidender Weise das staatsbürgerliche Verhalten der Menschen prägt. Aber auch die parteipolitische Einstellung wird meistens in der Familie grundgelegt. Ein Großteil der Menschen übernimmt die politische Einstellung des Elternhauses.

Der soziale Einsatz der Familie

Die Familie ist schließlich auch die wichtigste soziale Institution der Gesellschaft. Die Familie übernimmt auch in der heutigen Gesellschaft eine Menge sozialer Aufgaben. Die Familie interessiert sich für den Kindergarten und die Schule, die ihre Kinder besuchen: Sie nimmt am Geschehen im Kindergarten teil und gestaltet auch das Leben in der Schule mit. Die Familie nimmt auch fremde Kinder auf und adoptiert sie als ihre eigenen Söhne und Töchter: Auf diese Weise erhalten viele Kinder eine Chance, sich in einer normalen Familie zu entfalten. Die Familie macht sich auch viele Gedanken über die Freizeitgestaltung der jungen Leute: Sie bemüht sich um eine gute und vernünftige Gestaltung der Freizeit und verhindert oft, dass skrupellose Profitmacher die Jugend verderben. Die Familie pflegt auch die Kranken und Behinderten: Wenn jemand in der Familie erkrankt und behindert ist, dann setzt die Familie alles daran, diesen Mitgliedern zu helfen. Die Familie fangt auch die Alkoholiker und Drogensüchtigen auf und bemüht sich um ihre Rehabilitierung. Sie kümmert sich aber auch um die Mitglieder, die vom rechten Weg abkommen: Wenn jemand aus der Familie im Gefängnis landet, dann besucht sie ihn und steht zu ihm. Die Familie öffnet auch ihre Türen für Menschen, die Probleme haben: Sie ladet eine Gastarbeiterfamilie ein, die sonst keinen gesellschaftlichen Anschluss hat; sie nimmt sich einer Person an, die unter Depressionen leidet; sie hilft einer geschiedenen Frau, die von ihrem Ehemann verlassen wurde; sie tröstet ein Ehepaar, nach dessen Kind an Leukämie gestorben ist. Die Familie kümmert sich um die Alten und Alleinstehenden: Sie schaut, wie es den alten Eltern geht und sorgt sich um die alleinstehende Tante. Sie kümmert sich um die verwitwete Nachbarin und betreut sie, wenn es ihr nicht gut geht. Die Familie steht schließlich auch den Sterbenden bei und harrt bei ihnen aus bis zum letzten Atemzug. Die Familie leistet also in sozialer Hinsicht oft Unglaubliches! Ihr vielfältiger Einsatz kann durch keine öffentlichen Institutionen ersetzt werden. Das zeigt sich vor allem dann, wenn eine Familie aus verschiedenen Gründen ihre sozialen Aufgaben und Verpflichtungen nicht wahrnimmt. Dann kommen die Gesellschaft und der Staat sehr rasch in Schwierigkeiten. Dann fehlt es an Personal, an Einrichtungen und vor allem am Geld. Die Familie ist und bleibt deshalb die wichtigste soziale Institution in Gesellschaft und Staat. Es ist deshalb höchst kurzsichtig, wenn der Staat die Familie nicht entsprechend fördert. Es kommt dem Staat in vieler Hinsicht billiger, wenn er die Familie unterstützt, als wenn er die Familie ersetzt.

Die Gefährdungen der Familie

Die vielfältigen Wechselwirkungen zwischen Familie und Gesellschaft führen auch zu verschiedenen Gefährdungen der Familie. Beginnen wir mit der Arbeit: Die weit entfernten Arbeitsplätze zwingen viele Männer und Frauen zum Pendeln, die Wochenend- und Schichtdienste vieler Berufe stimmen nicht mit dem Rhythmus der Familie überein, viele Saisonarbeiten erlauben überhaupt kein Familienleben mehr. Das bedeutet, dass sich die Familie in der Früh und zu Mittag kaum sieht und bestenfalls am Abend zusammenkommt. Dann sind aber alle erschöpft und glotzen oft nur noch in den Fernseher. Wir können feststellen, dass vor allem die Berufstätigkeit zu einer Vernachlässigung der Kinder führt. Die Frauen haben zu wenig Zeit für die Kinder, sie sind oft nervös und gereizt. Es fehlt die Zeit zum Gespräch, es fehlt die Ruhe und die Geborgenheit. Wenn die Frau ständig aus dem Haus ist, fehlt das menschliche Zentrum der Familie. Eine weitere Gefährdung der Familie ist auch das ständige Fernsehen, das jedes Gespräch in der Familie blockiert. Das Fernsehen unterbindet aber auch gemeinsame Tätigkeiten und Spiele und verhindert nicht selten das Familiengebet. Eine große Gefahr für die Familie ist heute auch das Überangebot im Unterhaltungs- und Freizeitbereich: Der Vater ist ein begeisterter Bergsteiger, Schifahrer und Tennisspieler, die Mutter ist im Fitnesscenter und fährt mit dem Mountainbike, der Sohn ist bei der Fußballmannschaft und spielt in einer Band, die Tochter macht Judo und hört stundenlang ihre Pop- und Rockstars. Jeder geht seinen eigenen Hobbies nach und hat keine Zeit mehr für die Familie. Eine große Gefahr ist auch, dass die Familie immer weniger eigenständige und gemeinsame Tätigkeiten entfaltet: Statt dem gekochten Essen gibt es Dosen-Menüs und Fastfood, statt dem Gespräch gibt es den Fernseher, statt den Spielen die Videogames. Das Musizieren wird durch Kassetten ersetzt, das Wandern wird durch Autofahrten verdrängt, an die Stelle der selbstgemachten Geschenke treten Supermarkt-Geschenke. Die Familie ist also nicht mehr selbst aktiv, sondern nur mehr ein Konsum-Verein ohne Eigeninitiative.

Die Aufsplitterung der Familie

Wir können auch feststellen, dass die Familie heute immer mehr auseinander bricht: Die meisten Eltern sind durch ihre Arbeit von der Früh bis am späten Nachmittag außer Haus. Die Kinder kommen bereits mit einigen Monaten in die Kinderkrippe, ab dem 3. Lebensjahr gehen sie in den Kindergarten. Ab dem 6. Lebensjahr besuchen sie die Grundschule und anschließend die weiterführenden höheren Schulen. Immer mehr Kinder und Jugendliche verbringen auch den Nachmittag als Tagesheimschüler außerhalb der Familie. Viele Kleinkinder werden von den Großeltern betreut, die als Gratis-Babysitter die berufstätigen Eltern vertreten. Am Abend ist die Familie häufig durch verschiedene Interessen und Freizeittätigkeiten getrennt. Am Wochenende sind die Kinder und Jugendlichen oft mit Vereinen unterwegs, im Sommer werden sie in ein Ferienlager geschickt. Die Spaltung der Familie zeigt sich auch bei den Alten und Kranken: Wenn die Alten nicht mehr selbständig sind, werden sie in ein Altersheim abgeschoben. Wenn jemand ein wenig krank oder behindert ist, kommt er ins Krankenhaus oder in eine Spezialanstalt. Auf diese Weise führen die Berufstätigkeit der Eltern, die verschiedenen Interessen der einzelnen Familienmitglieder und die immer weiter reichenden Bildungs- und Sozialeinrichtungen zu einer zunehmenden Aufsplitterung der Familie. Was auf den ersten Blick oft als eine Unterstützung der Familie aussieht, erweist sich bei näherem Hinsehen oft als eine riesige Gefährdung der Familie.

Der familienfeindliche Zeitgeist

Neben den praktischen Gefährdungen erleben wir heute auch einen ausgesprochen familienfeindlichen Zeitgeist, der die verschiedenen Voraussetzungen der Familie radikal in Frage stellt. Dazu gehören die egozentrische Philosophie der Selbstverwirklichung, das persönliche Genussleben, die Überbetonung der Karriere, das freie Zusammenleben von Mann und Frau, die Scheidung und Wiederverheiratung, die Kinderfeindlichkeit, die Abtreibung, die Verhütungsmittel, die Anerkennung homosexueller Verbindungen, die mangelnde Unterstützung durch den Staat. Alle diese Faktoren führen zu einer kolossalen Abwertung der Familie. Letztlich führt dieser Zeitgeist zu einer regelrechten Demontage (= Zerlegung) der Familie. Diese Demontage ist nicht rein zufällig. Hinter ihr steckt vielmehr eine gezielte Strategie: Durch die Demontage der Familie wird nämlich die Gleichschaltung der Gesellschaft erleichtert. Durch die Zerstörung der Familie kommt es nicht mehr zum kritischen Gespräch im kleinen Kreis, durch die Zerschlagung der Familie wird der einzelne entwurzelt und kann leichter in das Kollektiv integriert werden. Und wenn alle in der Familie nur mehr die gleichen Fernsehprogramme anschauen, dann kann man mit einem einzigen Satelliten 300 Millionen Menschen geistig fernsteuern.

Die Wiederentdeckung der Familie

Aber inzwischen beginnen wir zu merken, dass die Zerstörung der Familie auch zur Zerstörung der Gesellschaft führt. Wir stellen fest, dass es durch die Single-Mentalität immer weniger Eheschließungen gibt. Die Kinderfeindlichkeit und die Abtreibung führten zu einem katastrophalen Geburtenrückgang. Die Scheidungen führten zu Millionen von zerbrochenen Ehen und Familien. Die kaputten Ehen und Familien stürzten Millionen Menschen in eine unheimliche Einsamkeit und Haltlosigkeit. Die Selbstverwirklichung der Frauen führten einem erschreckenden Erziehungsdefizit. Der individuelle Egoismus und der Egoismus der Paare erfordert neue Sozialinstitutionen für Kinder, Behinderte, Kranke und Alte, die gigantische Summen verschlingen. Die Defizite in menschlicher, sozialer, kultureller und wirtschaftlicher Hinsicht sind bereits so spürbar, dass es so nicht weitergehen kann. Es wird uns bewusst, dass es ohne Familie kein Überleben unserer Gesellschaft geben kann. Und so wachen jetzt immer mehr Menschen auf und erkennen, dass sie sich für die Erneuerung der Familie einsetzen müssen.
Alle diese Überlegungen über die Beziehung von Familie und Gesellschaft haben uns erkennen lassen, wie entscheidend die Familie für die Entwicklung der Gesellschaft ist. Die Familie ist und bleibt das Fundament der Gesellschaft! Alle anderen Initiativen sind nur die Fortsetzung und Ergänzung dessen, was in der Familie grundgelegt wurde. Die Familie kann durch nichts ersetzt werden. Mit der Familie steht und fällt die Gesellschaft.



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