Gedanken für meine Prinzessin
Taufe 04.12.2005
Taufsprüche
Freundschaften
Schutzengel
Nachdenkliches
Wir in Gottes Hand.
Kinder werden nicht gefragt
Wie gut, dass es Oma und Opa gibt!
Wir bauen eine Brücke
10 Gebote
Glaube, noch Zeitgemäß?
Erläuterung zum Gebot 4
Familienkonflikt
Enkel - Großmutter
Mit Kleinkindern philosophieren
Wie können Eltern die Konzentrationsfähigkeit ihre
Wie können Eltern ihren Kindern beim Spracherwerb
Sprache lernen
Erzählen, vorlesen, selber lesen
Bewegung macht Kinder klug
Kinder brauchen Kinder
Soziale Kontakte zwischen Kleinkinder
Was Kinder über Streit und Konfliktlösungen denken
Nur ein Kinderspiel? - oder: Wie Spielen bildet
Vertrautheit fördert und erleichtert den sozialen
Kleinkindforschung und Kleinkindbetreuung
Kreativität der Kinder
Selbstbewusstsein der Kinder stärken
Nachdenkliches
Das Jahr 2006
Kindergedichte
Kindergedichte
Tagebuch eines Kleinkinds 1
Tagebuch eines Kleinkinds 2
Sinnsprüche für Kinder
Halloween
Kindermärchen in Kindergarten und Hort
Abends ein altes Märchen vorlesen - warum nicht:
Martinslieder
Bommel Brummbär und sein Freund Ferdy
Die Fieberelfen
Unser Schnuffi
Frosch Frederiks Geburtstag!
Kinderfragen



Die Gleichaltrigengruppe als wichtigeSozialisation

In der Früh- und Vorschulpädagogik gilt die Kindertagesstätte seit den Reformbemühungen Anfang der 70er Jahre als Ort sozialen Lernens, wo Kommunikations- und Konfliktfähigkeit, Toleranz und auch interkulturelle Kompetenzen durch Erfahrungen in der Gruppe Gleichaltriger erworben und eingeübt werden. (Im Folgenden wird für Kinder mit ähnlichem Alter und Entwicklungsstand der in der Fachliteratur eingeführte Begriff der Peers verwendet.) Mit den Erfahrungen, die Kinder unter ihresgleichen machen, sind - wie mittlerweile viele Studien belegen können - eigenständige Entwicklungsprozesse verbunden, und Ablehnung von Seiten der Peer-Gruppe ist assoziiert mit negativen Entwicklungsergebnissen wie schulischem Versagen oder psychischen Problemen. Ein Merkmal, das Peer-Beziehungen charakterisiert und das zum Verständnis ihrer speziellen Entwicklungsanregungen beiträgt, ist die Gleichartigkeit oder zumindest Ähnlichkeit der Interaktionspartner, was Vorwissen, Status, die Verfügung über Macht über den anderen etc. angeht. Beziehungen zwischen Peers sind symmetrisch, im Gegensatz zu Beziehungen zwischen Kind und Erwachsenem, die immer von einem grundsätzlichen und wahrscheinlich unüberwindbaren Ungleichgewicht an Erfahrung, Wissen und Macht gekennzeichnet sind. Solche symmetrischen Beziehungen bieten die große Chance, unterschiedliche Sichtweisen auf ein Problem - sei es nun intellektueller Natur, wie eine Mathematikaufgabe oder sozialer Art, wie z.B. eine Spielregel, über die keine Einigkeit herrscht - in einem Prozess auszuhandeln, bei dem keiner aufgrund seiner Autorität oder seiner intellektuellen Überlegenheit dem anderen die Lösung quasi "serviert". Vielmehr sind beide Interaktionspartner gefordert, die eigenen Gedanken und Überlegungen dem anderen plausibel darzulegen, die Argumente des Gegenübers zu prüfen und eine beiderseits akzeptierte Sichtweise zu entwickeln. Entwicklungstheoretiker wie z.B. James Youniss (1994) nennen diesen Vorgang Ko-Konstruktion.

Während Peers also für Kinder im Kindergartenalter, spätestens jedoch für Schulkinder als wichtige Sozialpartner anerkannt sind, ist dies für Kleinkinder weit weniger der Fall. In der pädagogischen Diskussion um mögliche Auswirkungen früher Gruppenbetreuung werden Entwicklungsanreize und Risiken (besonders im Hinblick auf die frühe Trennung von den Hauptbezugspersonen) bestenfalls gegeneinander abgewogen. Die konkrete Frage, ob Kinder unter drei Jahren vom Umgang miteinander überhaupt profitieren, wird auch in der wissenschaftlichen Diskussion durchaus unterschiedlich beantwortet.

Welcher speziellen Art sind aber die Erfahrungen, die Kleinkinder unter ihresgleichen machen?
Welche Kompetenzen können sie dabei erwerben?
Und gründen sich auf diese Erfahrungen erste soziale Beziehungen, vielleicht sogar spätere Freundschaften?

Die entwicklungspsychologische und frühpädagogische Forschung hat auf diese Fragen eine Reihe von interessanten Antworten gegeben.


Kleinkinder haben Interesse aneinander

Bereits sehr junge Kinder nehmen einander als Ziele ihrer sozialen Signale wahr und zeigen Gleichaltrigen gegenüber ein deutlich anderes Verhalten als gegenüber materiellen Objekten. Babys unter einem Jahr versuchen, Gleichaltrige anzulächeln, Laute zu äußern, sich anzunähern und zu berühren. Solche "sozial gerichteten Verhaltensweisen" sind allerdings noch keine Interaktionen; erst, wenn der Partner wiederum eine soziale Reaktion zeigt - wobei auch Abwehr oder ein gegen den anderen gerichtetes Verhalten in diesem Sinne "sozial", nämlich auf den Sozialpartner gerichtet ist - ist ein sozialer Austausch, eine Interaktion, entstanden. Im letzten Viertel des ersten Lebensjahres können solche Interaktionen, u.a. der Austausch von Spielobjekten, gegenseitige Nachahmung und erste einfache Spiele - wie einen Ball hin- und herrollen - bereits regelmäßig beobachtet werden. Gleichzeitig beginnen die Kleinkinder, um Spielzeug zu streiten, und auch aggressives Verhalten tritt auf.

Das zweite Lebensjahr ist eine Periode, in der sich im Verhalten gegenüber Gleichaltrigen rasante Entwicklungen vollziehen. Auch wenn Erwachsene, und dabei vor allem vertraute Bezugspersonen nach wie vor wichtige Interaktionspartner bleiben, treten Kleinkinder, wenn sie Gelegenheit dazu haben, zunehmend öfter in den Kontakt und sozialen Austausch mit anderen Kindern ein. In Kindertageseinrichtungen oder anderen Gruppenbetreuungs-Arrangements verschiebt sich das Verhältnis, in dem Kinder den Kontakt zum Erwachsenen oder zu anderen Kindern suchen, kontinuierlich zugunsten der Peers. Fast alle Interaktionen finden in dieser Altersgruppe zwischen lediglich zwei Kindern statt. Die komplexe Situation, wo mehrere Kinder in einem Gruppenprozess ein Spiel initiieren, ihre Rollen darin finden und das Spiel flexibel abwandeln und weiter entwickeln, übersteigt sowohl die kognitiven als auch die sozialen Fähigkeiten sehr junger Kinder. Mit einem einzelnen Interaktionspartner sind Kinder im zweiten Lebensjahr jedoch in ihrem sozialen Austausch und der Abstimmung ihrer Handlungen erstaunlich kompetent, wie die folgenden Abschnitte zeigen werden.


Kontakte zwischen Kleinkindern bieten besondere Er



Kontakte zwischen Kleinkindern bieten besondere Erfahrungs- und Lernchancen

Auch für Kleinkinder gilt, dass Interaktionen mit Gleichaltrigen andere Verhaltensweisen und Kompetenzen herausfordern als Interaktionen mit Erwachsenen. So richten Kleinkinder z.B. bestimmte soziale Verhaltensweisen wie Gesten oder Berührungen eher an ihre Peers; mit Erwachsenen verbalisieren die Kinder dagegen häufiger, und diese werden auch häufiger angelächelt. (Insgesamt ist der sprachliche Austausch zwischen Erwachsenem und Kleinkind wesentlich häufiger zu beobachten.) Besitzkonflikte treten fast ausschließlich zwischen Kindern auf. Und ein jeder, der dies einmal beobachten konnte, wird sich an seine Verwunderung über den Spaß erinnern können, den Kleinkinder miteinander haben, während sie sich imitieren, unverständliche Laute und groteske Bewegungen machen und ein besonders erfolgreiches Detail ihrer Darbietungen unermüdlich wiederholen. Erwachsene haben Schwierigkeiten, in solchem Austausch einen Sinn, eine "richtige" Thematik entdecken zu können; und letztendlich sind sie wenig motiviert, sich entsprechend den Erfordernissen eines solchen Spiels zu verhalten.

Zusammengefasst erscheint der Austausch zwischen den Kindern eher symmetrisch angelegt, mit ähnlichen Handlungsbeiträgen und gleichwertiger Rollenverteilung. In Interaktionen zwischen Erwachsenen und Kindern geht es dagegen oft um eher pflegerische Handlungen wie Nase putzen oder Schuhe anziehen, oder der Erwachsene gibt Anweisungen, die das Kind dann ausführt (oder auch nicht). Hier finden wir also häufig Themen wieder, denen eine asymmetrische Interaktionsform zu Grunde liegt und die wahrscheinlich auch die eher ungleichgewichtige Beziehung spiegeln. In den beiden "Sozialwelten" erhalten Kleinkinder demnach sehr verschiedene Antworten bzw. Reaktionen auf ihre eigenen Handlungen, und sie erwerben unterschiedliche Strategien, um soziale Kontakte aufzunehmen und aufrecht zu erhalten. Letzteres ist für Kleinkinder nicht einfach und stellt eine anspruchsvolle Entwicklungsaufgabe dar. Die Kinder müssen lernen,
die Aufmerksamkeit des Partners zu erlangen;
ihre Absicht in angemessener Form zu kommunizieren;
dem Rhythmus von Aktion und Reaktion zu folgen;
sowie Störungen und Unterbrechungen aufzufangen.

Anders als im Austausch zwischen Erwachsenem und Kind steht kein kompetenterer Partner zu Verfügung, der missverständliche Signale richtig deuten und Störungen integrieren könnte. So sind die Kinder aufgefordert, eigene Fähigkeiten auszubilden, um Interaktionen weiter zu führen und eigene Spielideen gemeinsam mit einem anderen Kind zu verfolgen.



Soziale Kontakte zwischen Kleinkinder


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