Gedanken für meine Prinzessin
Taufe 04.12.2005
Taufsprüche
Freundschaften
Schutzengel
Nachdenkliches
Wir in Gottes Hand.
Kinder werden nicht gefragt
Wie gut, dass es Oma und Opa gibt!
Wir bauen eine Brücke
10 Gebote
Glaube, noch Zeitgemäß?
Erläuterung zum Gebot 4
Familienkonflikt
Enkel - Großmutter
Mit Kleinkindern philosophieren
Wie können Eltern die Konzentrationsfähigkeit ihre
Wie können Eltern ihren Kindern beim Spracherwerb
Sprache lernen
Erzählen, vorlesen, selber lesen
Bewegung macht Kinder klug
Kinder brauchen Kinder
Soziale Kontakte zwischen Kleinkinder
Was Kinder über Streit und Konfliktlösungen denken
Nur ein Kinderspiel? - oder: Wie Spielen bildet
Vertrautheit fördert und erleichtert den sozialen
Kleinkindforschung und Kleinkindbetreuung
Kreativität der Kinder
Selbstbewusstsein der Kinder stärken
Nachdenkliches
Das Jahr 2006
Kindergedichte
Kindergedichte
Tagebuch eines Kleinkinds 1
Tagebuch eines Kleinkinds 2
Sinnsprüche für Kinder
Halloween
Kindermärchen in Kindergarten und Hort
Abends ein altes Märchen vorlesen - warum nicht:
Martinslieder
Bommel Brummbär und sein Freund Ferdy
Die Fieberelfen
Unser Schnuffi
Frosch Frederiks Geburtstag!
Kinderfragen



Lehrmethoden auf dem Prüfstand

Die Ergebnisse der PISA-Studie haben dazu geführt, dass die Qualität des deutschen Bildungssystems auf breiter Basis diskutiert wird. Dabei geht es immer wieder auch um die Frage: Welche Lehrmethoden sind am effektivsten? Wer so wie ich schon lange Jahre in der Schule arbeitet, konnte die verschiedensten Trends kommen und gehen sehen. Jede Neuerung wurde mit großen Erwartungen eingeführt und meist, nachdem sie nicht hielt, was sie versprochen hatte, wieder abgeschafft. Es scheint sehr schwierig zu sein, am grünen Tisch Lehrmethoden zu entwickeln, die sich in der Praxis bewähren.


Sprechen lernen - ganz natürlich

Andererseits lernen Kinder aber das Komplizierteste, was man sich denken kann, ihre Muttersprache nämlich, ganz ohne Lehrplan und ohne gezielten Unterricht. Sie lernen diese Sprache allerdings nicht "von selbst" - ganz im Gegenteil! Es steckt sehr viel an sprachlicher Förderung und Zuwendung hinter einer geglückten Sprachentwicklung. Wenn man jedoch die Mütter von sprachlich hochentwickelten Kindern fragt, wie sie es denn bewerkstelligt hätten, ihrem Kind so ideale Grundlagen zu verschaffen, so können diese auf Anhieb meist gar nicht sagen, was sie richtig gemacht haben.

Fragt man jedoch gezielt nach, so stellt sich heraus, dass alle diese privilegierten Kinder eine Erfahrung gemeinsam haben: Sie hatten Mütter, die viel, oft und gerne mit ihnen redeten, und zwar von Anfang an, also seit der Säuglingszeit.


Häufige sprachliche Defizite bei Schulanfängern

Da es aber immer weniger Kinder gibt, die bei Schuleintritt über das nötige sprachliche Rüstzeug verfügen, soll hier genauer darauf eingegangen werden, wie Eltern die Sprachentwicklung ihrer Kinder positiv beeinflussen können.

Folgende Defizite der Schulanfänger fallen in den letzten Jahren gehäuft, mit zunehmender Tendenz, auf:
Der Wortschatz ist sehr gering. Oft fehlen die einfachsten Begriffe. Die Merkfähigkeit für Gesprochenes ist sehr gering: Es können keine Sätze nachgesprochen werden. Die Kinder haben keinen Schatz an Kinderversen, Reimen oder Gedichten. Derartiges wurde ihnen offensichtlich in der frühen Kindheit von den Eltern nicht beigebracht. Es können keine korrekten Sätze gebildet werden. Die meisten Kinder sind nicht in der Lage, einen Sachzusammenhang verständlich in Worte zu kleiden. Einfache Arbeitsanweisungen und Erklärungen werden nicht verstanden. Es fällt den meisten Kindern sehr schwer, konzentriert zuzuhören. Die wenigsten Kinder können laut und deutlich sprechen. Die Eltern sind die wichtigsten Sprachlehrer: Die passive Vorstufe des Sprechenlernens

Im Gespräch mit Eltern kann man zu Erziehungsthemen die unterschiedlichsten Meinungen hören. Beim Thema Spracherziehung stößt man zum Teil auf großes Unverständnis, wenn man dafür plädiert, mit Säuglingen von Anfang an viel zu sprechen.

"Wieso? Die verstehen das doch noch gar nicht!" bekommt man mit großer Regelmäßigkeit immer wieder zu hören. Dabei ist es ja gerade das Charakteristische für jegliches Lernen, dass wir uns mit etwas beschäftigen, was wir eben gerade noch nicht können. Könnten wir es bereits, bräuchten wir es ja nicht zu lernen. Das gilt natürlich auch für das Sprechen.


Die Bausteine der Sprache - Bausteine der Intelligenz

Sprache wird aus vielen Einzelteilen zusammengesetzt. Damit ich das ganze Gebilde handhaben kann, muss ich zuerst einmal über die einzelnen Elemente verfügen. Jede Sprache hat ein bestimmtes Repertoire von Lauten. Diese Laute klingen im Französischen ganz anders als im Italienischen, Japanischen oder Deutschen. So erwerben auch die Säuglinge in den verschiedenen Ländern ganz unterschiedliche Bausteine. Dabei spielt es keine Rolle, ob ein Kind seiner Abstammung nach dieser oder jener Nation angehört. Entscheidend ist allein, in welcher Umgebung es das Sprechen lernt. So kann ein in Niederbayern aufwachsender Japaner durchaus urbairisch sprechen, während ein in Hamburg lebender Niederbayer vielleicht ein steifes Norddeutsch entwickelt.

Der französische Hals-Nasen-Ohren-Arzt Professor Alfred Tomatis hat in seiner Arbeit mit Sängern herausgefunden, dass wir nur diejenigen Laute und Frequenzen stimmlich hervorbringen können, die wir auch hören. Das heißt, dass ein französisches Ohr auf andere Laute und Frequenzen "geeicht" ist als ein englisches oder ein deutsches Ohr. Das ist nun aber nicht von Anfang an so. Wir Menschen sind ja durch unsere Erbanlagen viel weniger vorprogrammiert als Tiere und deshalb auch viel lernfähiger. Säuglinge hören bis ungefähr zum Alter von 11 Monaten noch alle Laute exakt. Das heißt, dass ein japanisches Kind in diesem Alter durchaus noch den Unterschied zwischen "R" und "L" wahrnehmen und deshalb diese beiden Laute auch hervorbringen könnte. Nach und nach aber verschließt sich unser Ohr fremden Lauten und nimmt differenziert nur noch die Laute wahr, mit denen es täglich konfrontiert wird.

Laute sind die Bausteine der Sprache. Das Kind muss sie immer und immer wieder hören. Das ist die Voraussetzung dafür, dass es sie auch hervorbringen kann. Da sich in jeder Sprache bestimmte Laute und Lautkombinationen - die Wissenschaft nennt sie Phoneme - oft wiederholen, kann das Kind sie mit der Zeit erkennen und als bedeutsam einordnen. Es lernt, diese Phoneme von anderen, zufälligen Geräuschen zu unterscheiden.

Die Unterscheidungsfähigkeit von Lauten ist eine der wichtigsten Grundlagen für das spätere Lesenlernen. Sie wird in der Säuglingszeit angebahnt, durch etwas so Einfaches wie das häufige Plaudern mit dem Kind. In den ersten sechs Lebensmonaten lernt der Säugling, mit dem viel gesprochen wird, Laute zu unterscheiden. Er baut ein Repertoire von Lauten auf, die er oft vor sich hinlallt. Dieses Repertoire wird ständig erweitert. Es bildet die Grundlage für das spätere Sprechen, quasi das Baumaterial. Je mehr verschiedene Laute ein sechsmonatiger Säugling hervorbringen kann, desto besser ist seine "Ausrüstung" für den Spracherwerb.

Nun geht es aber beim Bilden von Lauten nicht nur um das eigentliche Sprechen. Es ist nachgewiesen, dass ein hoher statistischer Zusammenhang besteht zwischen dem Repertoire an Lauten, das ein Kind im Alter von 6 bis 18 Monaten erwirbt und dem späteren Intelligenzquotienten. Das bedeutet: Je mehr unterschiedliche Laute ein Säugling lallen kann, desto intelligenter wird er später aller statistischen Wahrscheinlichkeit nach einmal werden.


Sprachliche Zuwendung von Anfang an: So kann Ihr Kind motiviert werden

Sie können von Anfang an sehr viel für die Sprachentwicklung Ihres Kindes tun. Das Ganze ist noch dazu sehr einfach. Jeder, der sich für sein Kind interessiert, ist dazu in der Lage: Sprechen Sie von Anfang an mit Ihrem Kind. Erklären Sie ihm beim Füttern, beim Wickeln, wenn Sie seine Mahlzeiten herrichten oder es anziehen, was Sie gerade machen. Erzählen Sie ihm etwas über Ihre Arbeit, über das Wetter, über alles, was Sie freut oder ärgert - kurz: über all das, was sonst auch Inhalt von Gesprächen ist. Und - das ist besonders wichtig: Lächeln Sie es an, wenn es Ihnen durch Lallen, durch Mimik oder durch Gestik "antwortet". Warum denn das? Ganz einfach: Ihr Kind nimmt mit Ihnen Kontakt auf, es kommuniziert auf seiner Ebene mit Ihnen. Wenn Sie ihm ein positives Feedback geben, indem Sie es anlächeln, hat es mit seiner Kommunikation Erfolg. Sie geben ihm emotionale Zuwendung. Es wird sich also bemühen, seine diesbezüglichen Fähigkeiten weiter zu entwickeln. Die Versuche, Laute zu bilden und sich zu artikulieren, sind anstrengend. Sprechenlernen ist wie jedes andere Lernen auch mit Arbeit verbunden. Wer erfolgreich lernen will, muss motiviert sein. Erfolge sind für uns alle das, was uns am stärksten motiviert. Deshalb müssen Sie Ihr Kind für seine Sprechversuche belohnen.


Vorlesen ist auch für Säuglinge schon nützlich

Neben der Belohnung für seine Leistungen braucht Ihr Kind auch Lernstoff, um sich sprachlich entwickeln zu können. Diesen Lernstoff liefern Sie ihm durch häufiges Sprechen und Erzählen, aber auch durch Vorlesen.

Eine wissenschaftliche Untersuchung aus dem Jahr 1960 hatte den Nutzen, den bereits kleine Kinder durch Vorlesen haben können, zum Gegenstand. (1) Bei dieser Untersuchung lasen Mütter, die selbst aus einem einfachen sprachlichen Milieu stammten, ihren Kindern ab dem 13. Lebensmonat täglich 10 Minuten vor. Es gab noch eine Kontrollgruppe von Kindern, deren Mütter denselben sprachlichen Hintergrund hatten. Diesen Kindern wurde nicht vorgelesen.

Die sprachlichen Fähigkeiten der beiden Gruppen wurden dauernd verglichen. Als die Kinder 30 Monate alt waren, wurde die Untersuchung beendet. Es zeigte sich, dass die Kinder, denen vorgelesen worden war, den "Nicht-Lese-Kindern" aus der Kontrollgruppe sprachlich deutlich überlegen waren. Vorlesen ist also bereits für kleine Kinder sehr nützlich.

Nun könnte man vielleicht auf die Idee kommen, das Vorlesen könne doch sehr gut ein Kassettenrecorder übernehmen. Das klappt aber nicht. Sprachförderung muss im sozialen Miteinander stattfinden. Sie muss von Menschen und nicht von Maschinen kommen, um wirksam zu sein. Nur im direkten Kontakt ist das Kind auch dazu aufgefordert, sich selbst zu äußern, zu antworten oder zu fragen. Wenn Kommunikation nur in einer Richtung verläuft - nämlich von dem technischen Medium zum Kind -, dann fehlt der emotionale Bezug, der den Ansporn für die Mühen des Spracherwerbs bildet. Außerdem kann das Kind sich auch nicht äußern, es hat ja kein Gegenüber. So kann Sprachförderung nicht stattfinden.

Zwei konkrete Beispiele kann ich hierzu anführen:

Vor einigen Jahren bekam ich in der ersten Klasse einen Schüler, der von den Eltern als außerordentlich intelligent und aufgeweckt eingeschätzt wurde. Er konnte ganze Sequenzen von Werbesendungen aufsagen. Es zeigte sich jedoch, dass seine Lernfähigkeit mit den in ihn gesetzten Erwartungen nicht Schritt halten konnte. Obwohl er nämlich ganze Werbesendungen im Kopf hatte, konnte er sich weder Arbeitsanweisungen noch Verse merken. Er war auch nicht in der Lage, sich frei zu artikulieren. Das blieb dann bei Bruchstücksätzen mit einem seltsamen Comic-Wortschatz, wie zum Beispiel: "Boh, und dann hat er mit seinem Auto, boh, hast du das gesehn, boh, das war vielleicht stark und ich so, boh..." Er hatte Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben und war alles andere, nur nicht das aufgeweckte Kind, das seine Eltern in ihm gesehen hatten.

In meinem entfernten Verwandtenkreis gibt es ein junges Mädchen, das mit drei Jahren bereits stundenlang versonnen vor dem Kassettenrecorder saß und alle möglichen Geschichten anhörte. Meine Verwandte fasste das damals als Zeichen großer Konzentrations- und Lernfähigkeit auf. Ich warnte sie deutlich vor den möglichen Folgen und legte ihr nahe, sich doch mehr mit ihrem Kind zu beschäftigen, mit ihm zu reden und ihm selbst vorzulesen und zu erzählen. Sie nahm das nicht so ernst und meinte, die "Geschichten aus der Konserve" täten es doch auch. Zu allem Übel schaute dieses Kind auch noch sehr viel fern. Die Entwicklung verlief so, wie sie vorprogrammiert war: Es gab in der Schule enorme Schwierigkeiten in allen Bereichen. Die Hauptschule wurde mit Mühe und Not absolviert. Die sprachliche Entwicklung blieb auf einem sehr bescheidenen Niveau stecken.


Vom Plappern und Lallen zur "echten" Sprache: Der Aufbau eines Wortschatzes

Durch Hören erkennt das Kind Laute, die es nachplappert. Durch aktives Nachahmen und Üben bildet es seine Artikulationsfähigkeit aus. Sprechen lernt man durch Sprechen. Kinder, mit denen selten jemand spricht, bleiben sprachlich verarmt und benachteiligt. Nach der ersten Phase des Spracherwerbs, in der das Kind erst einmal das "Rohmaterial" der Sprache in Form vieler verschiedener Laute gesammelt hat, kommt die nächste Phase: das Anhäufen eines Wortschatzes. Es ist wirklich ein Schatz, den wir unseren Kindern mitgeben, wenn wir sie mit vielen verschiedenen Wörtern ausstatten. Das Benennen der Dinge hat auf mehreren Ebenen eine große Bedeutung.

Zunächst einmal bedeutet das Benennen der Dinge für ein Kind, dass es die Welt langsam erobert und in Besitz nimmt. Was es mit Namen nennen kann, hat es als Idee in sich, ohne dass das jeweilige Objekt in Wirklichkeit gerade vorhanden ist. Es vermittelt Kindern auch Sicherheit: Fremdes wird dadurch, dass ich es kenne und weiß, wie es heißt, zu Bekanntem und Vertrauten. Ich kann über Dinge erst nachdenken, wenn ich sie in meinem Geist "vorrätig" habe. Dazu muss ich ihre Namen wissen.

Es war schon immer eine der wichtigsten und schönsten Aufgabe der Erwachsenen, Kindern die Welt zu erklären, ihnen Fragen über das Woher und Wohin und über den Sinn des Lebens zu beantworten. Ein Teil dieses "Welt-Erklärens" ist die moralische und religiöse Erziehung von Kindern. Jedoch ist auch das Zeigen und Benennen von Objekten aller Art ein Teil davon. Es gibt im täglichen Zusammenleben mit einem Kind so zahlreiche Gelegenheiten dafür, dass es nur sehr schwer zu verstehen ist, warum heutzutage viele Kinder nicht einmal die allernötigste sprachliche Grundausrüstung mit in die Schule bringen.

Krabbelverse gehören zu den ältesten und wirkungsvollsten Möglichkeiten, einem Kind Sprachmuster zu geben und ihm außerdem Wichtiges über seinen Körper beizubringen: Es gibt eine Reihe von Büchern mit solchen Versen wie:

Wir machen ein Späßchen
und seifen das Näschen
Stirn, Wangen und Mund,
Wasser ist gesund (2)

Während Sie sich mit Ihrem Kind beschäftigen, können Sie ihm überhaupt die einzelnen Körperteile immer wieder zeigen und sie benennen: Nase, Augenbrauen, Kinn, Stirn, Ohren usw. All das kann dem Kind ganz nebenbei vermittelt werden. Gerade die Orientierung am eigenen Körper ist sehr wichtig. Kinder, die das nicht können, finden sich später auch im Raum nicht so gut zurecht. Und Kinder, die mit räumlicher Orientierung Probleme haben, können später weniger gut rechnen.

Gerade im Alter zwischen zwei und drei Jahren sind Kinder unermüdlich dabei, neue Wörter zu sammeln. Sie fragen den Erwachsenen buchstäblich "ein Loch in den Bauch". Der Wortschatz steigt in diesem Alter rasant an, wenn Kinder einen Erwachsenen haben, der mit ihnen spricht und durch den sie erfahren, wie die Dinge heißen. Besonders in den ersten drei Lebensjahren ist Sprachförderung von einer Wichtigkeit, die Nicht-Fachleute gar nicht ermessen können. Das brauchen Sie aber auch gar nicht, wenn Sie einfach Ihrem Bedürfnis folgen und sich mit Ihrem Kind oft und gerne befassen. Dann tun Sie automatisch das Richtige.

Über das Hören der Muttersprache, das Lallen von Lauten, das Plappern erster Babywörter und das Nachsprechen "richtiger" Wörter lernt das Kind, erste einfache Sätze zu bilden, die zunächst noch aus zwei Wörtern bestehen: Hundi lieb, Mama brav, das meins usw.

Im dritten Lebensjahr bildet das Kind schon etwas längere Sätze und gebraucht Fürwörter (ich, du) und Präpositionen (auf, zum, beim, neben, hinter, an, durch, mit usw.). Es liegt an Ihnen, wie groß der sprachliche Schatz ist, den Sie Ihrem Kind ins Leben mitgeben. Sicher ist: Schulanfänger, die mit einem geringen Wortschatz und nur einfachen sprachlichen Ausdrucksmöglichkeiten in die Schule kommen, treten ihre Reise in die Welt der nachprüfbaren Leistungen mit viel schlechteren Karten an als ihre Kameraden, die das Glück einer sorgfältigen sprachlichen Erziehung hatten.


Es ist leicht, das Richtige zu tun

Sprechen Sie mit Ihrem Kind in richtigen Sätzen. Sprechen Sie nicht nur das Allernötigste, sondern unterhalten Sie sich mit ihm. Entdecken Sie, wie amüsant und herzerfrischend es sein kann, mit einem Kind zu plaudern. Und erweitern Sie seinen Wortschatz, wo immer es geht. Besonders gut eignen sich dafür Spaziergänge. Nehmen Sie ein Pflanzenbestimmungsbuch mit und zeigen Sie Ihrem Kind die Vielfalt unserer heimischen Pflanzenwelt. Damit fördern Sie nicht nur seine Sprach-, sondern auch seine Beobachtungsfähigkeit. Ihr Kind wird, wenn es vieles weiß, seine Umgebung genauer und gezielter wahrnehmen. Es wird wissbegierig werden. Wissbegier und genaue Wahrnehmung sind grundlegende Eigenschaften, die Ihrem Kind später in der Schule unschätzbare Vorteile bringen, wenn um das Erlernen des Lesens und Schreibens geht. Jeder Lehrer kann Ihnen sagen, dass es aussichtslos ist, einem Schüler etwas beibringen zu wollen, der sich für nichts interessiert und begeistert. Die Wissbegier Ihres Kindes kann aber nur in der frühen Kindheit geweckt werden, indem Sie ihm eben zeigen, dass es Vieles gibt, das wissenswert und interessant ist.


Geschichten und Gedichte - mehr als bloßer Zeitvertreib

Sprachförderung geschieht auf mehreren Ebenen: am häufigsten erfolgt sie sicher im persönlichen Gespräch, im Geplauder und Meinungsaustausch. Hier ist Sprache mit einer bestimmten Situation verbunden, in die Sie und Ihr Kind eingebunden sind. Sie werden in der Unterhaltung mit Ihrem Kind die Wörter benutzen, die Ihnen geläufig sind, die zu Ihrem eigenen aktiven Wortschatz gehören.

Eine weitere Ebene betreten Sie, wenn Sie mit Ihrem Kind gemeinsam die Welt entdecken, indem Sie zum Beispiel in einem Bestimmungsbuch Pflanzen nachschlagen, deren Namen Ihnen bisher selbst nicht bekannt waren oder indem Sie sich aus einem Lexikon genauere Informationen zu einem Thema holen, das Sie und Ihr Kind gerade interessiert.

Das Vorlesen und Erzählen von Geschichten eröffnet wieder einen anderen Zugang zur Sprache. Es macht Ihr Kind mit Begriffen bekannt, die in der Alltagssprache nicht vorkommen, wie z.B. Hexe, Pfefferkuchenhaus, Zwerg, verwünschen usw. Außerdem wird beim Erzählen ein größerer sprachlicher Zusammenhang hergestellt, der eine wesentlich längere Aufmerksamkeitsspanne erfordert als bloße Konversation. Weil das Kind an der Geschichte interessiert ist, will es auch bei der Sache bleiben und lernt so etwas von selbst und ganz nebenbei, was für den späteren Schulerfolg von größter Bedeutung ist: seine Gedanken eine Zeitlang auf ein und dieselbe Sache zu richten. Da erzählte und vorgelesene Geschichten in erster Linie durch das Wort vermittelt werden, muss der Hörer sich die Bilder zur Handlung selbst in seinem Kopf ausmalen. Auch hier wird wieder Nützliches für die spätere Schullaufbahn auf einfache Weise trainiert, denn weder Rechnen noch Rechtschreiben sind möglich ohne die Fähigkeit, innere Bilder zu produzieren.

Und noch etwas trainiert das Kind auf spielerische Weise: Die Handlung einer Geschichte entwickelt sich allmählich. Deshalb muss das Kind, um den Faden nicht zu verlieren, das bisher Gehörte im Gedächtnis behalten. Es wird während des Zuhörens auch selbst verschiedene Vorstellungen haben, wie die Geschichte weitergehen könnte. Dieses Zurück- und Vorausdenken ist beim Lesenlernen ganz entscheidend für das Sinnverständnis eines Textes. Kinder, die über das mühsame Entziffern nicht hinauskommen, erinnern sich nicht mehr an das Gelesene und können auch unvollständige Sätze nicht sinnvoll ergänzen.

Dass das Vorlesen von Geschichten auch noch ein emotionales Bedürfnis der Kinder abdeckt, dass Märchen und Kinderbücher Ihrem Kind weit mehr vermitteln als "nur" schöne Geschichten, das sei hier nur am Rande erwähnt.


Sprachkompetenz - der Zugang zu besseren Bildungschancen und zu mehr Lebensqualität

Dass Sprachbeherrschung eine maßgebliche Schlüsselqualifikation für die Lernfähigkeit darstellt, ist in letzter Zeit immer häufiger in den Medien thematisiert worden. Schulanfänger, die über ein sprachliches Rüstzeug verfügen, werden nicht nur bessere Leser und Schreiber, sie haben in allen Unterrichtsfächern größere Erfolgschancen. Darüber hinaus wird ein Mensch, der seine Meinungen und Bedürfnisse in Worte kleiden kann, im Leben besser zurecht kommen als einer, der sich verbal nicht behaupten kann. Dabei geht es nicht nur um Auseinandersetzungen, die man mit ein bisschen Beredsamkeit besser führen kann. Es ist auch für unser emotionales Gleichgewicht von größter Bedeutung, dass wir in der Lage sind, unsere Gefühle verbal auszudrücken. So ist es unter jedem Aspekt zu wünschen, dass Eltern größte Sorgfalt auf die Spracherziehung ihrer Kinder verwenden. Es ist so einfach, das zum rechten Zeitpunkt zu tun. Hat sich aber das Entwicklungsfenster für Sprache erst einmal geschlossen, was ungefähr im Alter von acht Jahren der Fall ist, kann Versäumtes nicht mehr aufgeholt werden und ein Kind bleibt unter Umständen ein Leben lang benachteiligt.

Von der Literaturpreisträgerin Nadine Gordimer stammt ein Ausspruch, den ich an das Ende dieser Ausführungen setzen möchte. Sie sagt: "Nicht das Werkzeug hat den Menschen zum Menschen gemacht, sondern das Wort. Nicht der aufrechte Gang und der Stock, um damit nach Nahrung zu graben oder zu kämpfen, machen den Menschen zum Menschen, sondern die Sprache."



Auf einmal bin ich Großmutter


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